Grundlagen

Dieses Kapitel beschreibt die Grundkonzepte von Retrospect. Dieses Handbuch und das Programm selbst beziehen sich durchgängig auf diese Grundlagen. Um Retrospect bestmöglich nutzen zu können, ist es daher von großer Wichtigkeit, diese Grundlagen zu verstehen. In diesem Kapitel erfahren Sie, wie Retrospect funktioniert, welche unterschiedlichen Mediensets Sie für die Sicherung Ihrer Daten nutzen können und welche Backup-Aktionen mit diesen Mediensets möglich sind.

Funktionsweise von Retrospect

Durch ein Archivierungsverfahren wird erreicht, dass per Backup gesicherte Dateien nur dann gelöscht oder überschrieben werden, wenn Sie dies anfordern. Die Dateien bleiben daher für unbegrenzte Zeit auf den Backup-Medien. Wenn Sie beispielsweise über einen längeren Zeitraum hinweg an einem bestimmten Dokument arbeiten, wird von Retrospect bei jedem Backup eine andere Version des Dokuments gespeichert. Bei Bedarf haben Sie die Möglichkeit, mit Retrospect eine frühere Version der Datei aus dem Backup abzurufen.

In Retrospect werden Datensicherungen immer mit der Smart-Technologie für inkrementelle Backups durchgeführt. Mithilfe der Smart-Technologie für inkrementelle Backups werden nur Dateien kopiert, die auf dem aktuellen Medienset, das für Backups genutzt wird, noch nicht vorhanden sind (typischerweise Dateien, die neu sind oder seit dem vorherigen Backup verändert wurden). Sie müssen nicht angeben, ob ein „vollständiges“ oder ein „inkrementelles“ Backup erstellt werden soll. Mit Retrospect werden standardmäßig alle Dateien kopiert, die noch nicht gesichert sind.

Da dem Backup in Retrospect nur eine Instanz jeder einzelnen Datei hinzugefügt wird, bleibt auf dem Backup-Medium mehr Platz, der anderenfalls durch die Speicherung doppelter Kopien von Dateien verbraucht würde. Diese Platz sparende Technik wird als Deduplizierung der Dateiebene oder Single-Instance-Speicherung bezeichnet.

Für alle Vorgänge zum Sichern, Kopieren und Wiederherstellen in Retrospect werden eine Quelle und ein Ziel benötigt. Die Quelle für ein Backup ist im Allgemeinen eine Festplatte bzw. ein Ordner auf einer Festplatte (in Retrospect lauten die Bezeichnungen dafür Quellen und Favoriten-Ordner). Das Ziel ist für gewöhnlich ein Medienset, das auf Backup-Medien, etwa auf einer Disk oder einem Band, gespeichert ist.

Retrospect verwendet eine Katalogdatei, einen Dateiindex und Ordner, die in einem Medienset enthalten sind, um die verschiedenen Generationen geänderter Dateien in einem Medienset zu verfolgen. Der Katalog ermöglicht das schnelle Auffinden von Dateien, ohne die eigentlichen Backup-Medien zu durchsuchen, was besonders bei Medien wie digitalen Bändern mit erheblich mehr Zeitaufwand verbunden wäre. Standardmäßig werden Katalogdateien auf dem Retrospect-Server-Rechner unter
Library/Application Support/Retrospect/Catalogs/ abgespeichert.

Quellen

Quellen sind Festplatten-Volumes, Ordner auf Festplatten-Volumes und Clients im Netzwerk, von denen Sie ein Backup erstellen möchten. Für jede Quelle, von der Sie ein Backup erstellen möchten, muss ein Eintrag in die Liste Quellen eingefügt werden.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Begriff „Quellen“ bei Retrospect sowohl für die Volumes und Ordner verwendet wird, von denen ein Backup erstellt werden soll, als auch für die Festplatten-Volumes, auf die diese Backups geschrieben werden. Sie können beispielsweise ein Backup für die Festplatte eines Clients mit der Bezeichnung „Eigene Festplatte“ (dies ist eine Quelle) in einem Disk- oder Datei-Medienset erstellen, das sich auf einer Festplatte mit der Bezeichnung „Backup-Festplatte“ befindet (weil dies eine Festplatte ist, für die auch ein Backup erstellt werden könnte, auch die „Backup-Festplatte“ wird in der Liste Quellen angezeigt).

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Über der Liste Quellen können Sie mit der Symbolleiste Quellen hinzufügen oder entfernen, Favoriten-Ordner hinzufügen oder auf andere Art und Weise mit den Objekten der Liste Quellen arbeiten. Unter der Liste befindet sich ein Bereich mit Registerkarten, in dem Sie wichtige Einzelheiten zu einer Quelle sehen können, die Sie aus der Liste ausgewählt haben.

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Mediensets

Mediensets sind das Ziel für Dateien und Ordner, von denen Sie Backups erstellen. Ein Medienset besteht aus einer oder mehreren Festplatten, Bändern, optischen Datenträgern oder einer einzigen Datei. Einzelne Medien (z. B. Bänder, optische Datenträger oder Festplatten) gehören zu einem Medienset. Ein Medienset besteht aus einer oder mehreren Festplatten oder Bändern oder einer einzigen Datei. Einzelne Medien (z. B. Bänder oder Festplatten) gehören zu einem Medienset. Ein Medienset kann aus fast jeder Art von Speichermedium bestehen: Festplatten, Festplatten-Arrays, Bänder und sogar Flash-Speicher.

Sie können in einem einzigen Medienset Backups beliebig vieler Quell-Volumes erstellen. Beispielsweise können Sie ein einziges Medienset als Backup-Ziel für die interne Festplatte Ihres Computers, die externe Festplatte, die Festplatte eines Kollegen auf einem Computer mit installierter Retrospect Client-Software und sogar einen Mac OS X Server oder Windows Server nutzen. Ihre Mediensets werden alle in der Retrospect Medienset-Liste angezeigt.

Über der Liste können Sie mit der Symbolleiste mit Mediensets arbeiten. Hierzu zählen Funktionen wie Hinzufügen, Entfernen, Kopieren und Überprüfen von Mediensets. Unter der Liste erhalten Sie über Registerkarten Einzelheiten zu dem gewählten Medienset.

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Werden Daten auf eine Festplatte oder ein Band gespeichert, fragt Retrospect nach einem neuen Medium, fügt es dem Medienset hinzu und fährt dann mit dem Anhängen von Daten fort. Dabei werden automatisch verfügbare neue oder gelöschte Medien verwendet. Hat ein Medium den Namen, nach dem Retrospect sucht, dann löscht Retrospect das Medium und verwendet es erneut. Retrospect verwendet jedoch niemals automatisch ein Medium mit dem falschen Namen, wenn sich Daten darauf befinden.

Ein Medienset kann in Retrospect als eine der folgenden Arten erstellt werden:

  • Disk-Mediensets sind die flexibelsten Mediensets in Retrospect. Backups können damit über mehrere Speichergeräte mit wahlfreiem Zugriff verteilt werden, beispielsweise Festplatten, Netzwerkspeicher (NAS-Systeme), Wechselkassetten und sogar Flash-Medien. Ältere Backups können von Disk-Mediensets gelöscht werden, um Speicherplatz zurückzugewinnen. Zudem ist es möglich, einen Wiederherstellungsvorgang ausgehend von einem Disk-Medienset durchzuführen, bei dem gerade ein Backup-Vorgang läuft. Disk-Mediensets sollten Ihr meistgenutztes Backup-Ziel sein, wenn Sie nicht mit Band-Backups arbeiten. Bei einem Disk-Medienset werden Ordner mit mehreren Dateien auf das Zielmedium geschrieben; jede Datei darf maximal 600 MB groß sein. (Dies kann in Umgebungen nützlich sein, wo diese Dateien auf zusätzliche Speicher repliziert werden, beispielsweise externe Vaults). Retrospect behandelt den Ordner mit Backup-Dateien als ein Medium des Disk-Mediensets. Disk-Mediensets ersetzen die weniger flexiblen Mediensets auf Wechseldatenträgern, die es in älteren Versionen von Retrospect gab. Kataloge für Disk-Mediensets werden normalerweise auf der Festplatte des Retrospect-Servers gespeichert.
  • Bei Band-Mediensets dienen Bandlaufwerke und Backup-Bänder als Speichermedium. Retrospect unterstützt viele Arten von Bandlaufwerken, beispielsweise DAT-Laufwerke, LTO-Laufwerke, AIT-Laufwerke, VXA-Laufwerke und DLT-Laufwerke. Auf der Website von Retrospect finden Sie eine umfassende Liste der unterstützten Laufwerke. Bei einigen Laufwerken, etwa Bandbibliotheken (die das Verwenden und automatische Laden mehrerer Bänder ermöglichen), ist unter Umständen eine Ergänzungslizenz für das Zusatzprodukt Advanced Tape Support erforderlich. Kataloge für Band-Mediensets werden normalerweise auf der Festplatte des Retrospect-Servers gespeichert.
  • Band-WORM-Mediensets haben dieselben Eigenschaften wie Band-Mediensets, bei den verwendeten Bändern handelt es sich hier jedoch um WORM-Bänder (Write Once, Read Many; diese Bänder können einmal mit Daten beschrieben und danach beliebig oft ausgelesen werden). Dem Namen entsprechend ist es bei WORM-Bändern nicht möglich, den Inhalt zu löschen oder die Bänder für andere Inhalte wiederzuverwenden, nachdem einmal Daten auf die Bänder geschrieben wurden. Die Bänder werden zu Archivierungszwecken genutzt und für die Einhaltung behördlicher Auflagen zur Dokumentaufbewahrung eingesetzt. Kataloge für Band-WORM-Mediensets werden normalerweise auf der Festplatte des Retrospect-Servers gespeichert.
  • Datei-Mediensets kombinieren Katalogdatei und Backup-Daten in einer einzigen Datei, die auf einem Volume gespeichert wird. Sie können überall dort gespeichert werden, wo ein Disk-Medienset gespeichert werden kann, sind jedoch durch die Größe des Volumes, auf dem sie sich befinden, und die maximale Dateigröße des Dateisystems begrenzt (FAT32, NTFS, HFS+, usw.). Backups in einem Datei-Medienset können nicht über verschiedene Medien verteilt werden. Datei-Mediensets sind nützlich für kleine Projekte, bei denen alles (der Katalog und die gesicherten Daten) zusammen in einer einzelnen Datei enthalten ist; in der Regel sollten jedoch Disk-Mediensets zum Einsatz kommen.

Medienvorgänge

Wenn Sie ein Backup-Skript manuell ausführen oder ein Skript später automatisch ausführen lassen, haben Sie die Möglichkeit, einen von vier Medienvorgängen zu nutzen. Jeder Medienvorgang sagt Retrospect, wie das physische Medium zu behandeln ist, was sich wiederum darauf auswirkt, welche Dateien gesichert werden.

Die vier Medienvorgänge von Retrospect umfassen:

  • Kein Medienvorgang: Dies ist die Standardauswahl; dabei wird in Retrospect festgelegt, dass bei dem aktuellen Backup kein besonderes Vorgehen im Hinblick auf das Medium erforderlich ist. Wie üblich wird in Retrospect ein intelligentes inkrementelles Backup ausgeführt, was Zeit und Medienspeicher spart, indem Dateien, die bereits in dem Medienset vorhanden sind, nicht kopiert werden. Dies bedeutet, in Retrospect werden nur diejenigen Dateien kopiert, die neu sind oder seit dem letzten Backup auf demselben Medienset geändert wurden.
  • Übergehen und weiter zu neuem Medium: Retrospect erstellt ein neues Medium innerhalb des aktuellen Mediensets. In Retrospect wird ein Dialog angezeigt, der ein neues Medium anfordert, so dass Sie dieses zur Verwendung bei dem nächsten Backup einfügen können. Dieser Medienvorgang ist nützlich, wenn ein Medium, das Sie bereits für ein bestimmtes Medienset verwendet haben, nicht zur Verfügung steht.
  • Neues Medienset starten: Hiermit wird in Retrospect festgelegt, dass ein neues Ziel-Medienset von dem gewählten Typ erstellt werden soll (dessen Name dem alten Namen ähnlich ist). Je nach Typ des Mediensets verwendet Retrospect eine neue oder eine gelöschte Festplatte oder ein neues oder ein gelöschtes Band. Für Disk-Mediensets erstellt Retrospect einen neuen Ordner auf der Festplatte, und Backup-Daten werden als eine Reihe von 600 MB-Backup-Dateien in diesen Ordner geschrieben. Setzen Sie den Medienvorgang Neues Medienset starten ein, und transportieren Sie alte Medien zur sicheren Aufbewahrung an einen externen Standort.
  • Medienset recyceln: Mit diesem Vorgang wird zunächst der Kataloginhalt des Ziel-Mediensets (sofern vorhanden) gelöscht, sodass es aussieht, als ob keine Backup-Dateien vorhanden wären. Dann wird das erste Medium des Mediensets gesucht und, sofern vorhanden, gelöscht. Ist das erste Medium nicht verfügbar, nutzt Retrospect verfügbare neue oder gelöschte Medien, die für den Medienset-Typ geeignet sind. Dann wird von allen ausgewählten Dateien und Ordnern der Quelle im Medienset ein Backup erstellt. Mit dem Medienvorgang Medienset recyceln können Sie ein Medium oder mehrere Medien wieder verwenden.

Hinweis: Solange der Abgleich aktiviert ist (Standardeinstellung), werden Datensicherungen in Retrospect immer mit der Smart-Technologie für inkrementelle Backups durchgeführt, wobei nur diejenigen Dateien hinzugefügt werden, die nicht genau mit bereits vorhandenen Backup-Dateien übereinstimmen. Sind ein Medienset und seine Katalogdatei leer, werden über die Smart-Technologie für inkrementelle Backups von Retrospect alle Dateien hinzugefügt, die erforderlich sind, um alle Backup-Quellen wiederherzustellen.

Katalogdateien

Retrospect verwendet eine separate Katalogdatei (normalerweise gespeichert unter /Library/Application Support/Retrospect/ auf dem Retrospect-Server), um alle Dateien und Ordner in einem Medienset zu verfolgen. Sie können sich den Katalog als Index oder Inhaltsverzeichnis der Dateien auf den Backup-Medien vorstellen. Mit dem Katalog können Sie den Inhalt eines Mediensets ansehen, ohne dass die Medien in das Backup-Gerät eingelegt werden müssen, was die Suche und das Finden von Dateien erheblich beschleunigt.

Alle Vorgänge, mit denen Dateien auf und von Mediensets kopiert werden, erfordern eine Katalogdatei. Retrospect kann beschädigte Kataloge mithilfe der Schaltfläche Reparieren in der Listenansicht-Symbolleiste unter Mediensets reparieren. Ist der Katalog nicht mehr verfügbar oder zu stark beschädigt, um ihn zu reparieren, kann Retrospect ihn neu erstellen, indem die Medien ausgelesen und neu indiziert werden.

Retrospect-Clients

Retrospect kann von jedem Laufwerk, das auf den Macintosh-Desktop gemountet werden kann, ein Backup erstellen, unabhängig davon, ob es sich um ein lokales Laufwerk oder ein freigegebenes Netzwerk-Volume handelt.

Retrospect-Clients übertragen die Backup- und Wiederherstellungsfähigkeiten von Retrospect auf andere Computer in Ihrem Netzwerk. Ein Computer mit Retrospect Client-Software wird als Retrospect Client-Computer oder einfach nur als Client bezeichnet. Retrospect kann Backups von Clients im Netzwerk erstellen, ohne dass Dateiserver installiert werden, eine Dateifreigabe gestartet oder Volumes gemountet werden müssen, wobei für diese Systeme vollständige Administratorrechte bestehen.

Proaktives Backup

Die proaktiven Backups von Retrospect ermöglichen die Änderung von Netzwerk- und Medienkonfigurationen.

Ein proaktives Backup bietet eine besondere Form eines skriptgesteuerten Backups. Anstatt Backups von Quellen an bestimmten Tagen und/oder zu bestimmten Zeiten auf bestimmten Mediensets durchzuführen (wie ein traditionelles Skript), suchen proaktive Backup-Skripte in dem jeweiligen Netzwerk nach vorübergehenden Computern und Volumes wie Notebook-Computern mit installierter Retrospect Client-Software. Sind die Quellen vorhanden, führt Retrospect ein Backup aus. Retrospect Client-Benutzer können sogar Backups ihrer Volumes anfordern. Ein proaktives Backup-Skript wird oftmals am besten zusammen mit regulären Backup-Skripten verwendet, um eine umfassende Backup-Strategie zu erstellen.